Montag , 25 September 2017
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Warum Samsung an Konfektionsgrößen von Presseleuten interessiert ist

Imageschaden bei Samsung im Rahmen der IFA

Eine interessante Blogger-Story kursiert zurzeit jenseits der Messehallen der IFA (Internationale Funkausstellung) und hatte sich bereits im Vorfeld aber am selbigen Ort ereignet. Kurz zusammengefasst geht es um folgenden Inhalt: Zwei Blogger aus Indien erhalten von Samsung die Einladung als eine der Ersten (Hands on) über die neuesten Produkte der Südkoreaner von der IFA zu berichten. Direkt vor Ort staunen die Blogger nicht schlecht, dass sie als Werbefiguren des Unternehmens fungieren sollen und ausschließlich über Samsung und das Event berichten dürften. Eine Verweigerung der unabhängig tätigen Autoren wurde mit der Stornierung des Rückflugtickets quittiert. Doch was war genau Geschehen, warum Nokia für sich ein Imageplus verzeichnen kann, Samsung nicht aus Gutsmenschen besteht, und was das alles mit den Konfektionsgrößen der Blogger zu tun hat.

 

Wahrheitsfindendes Licht in diese Sache zu bringen dürfte schwierig sein. Es gibt die Aussage des Bloggers und natürlich eine wohlformulierte Äußerung seitens des Technik-Unternehmens, die nur allzu gerne auf Verwechselungen, Kommunikationsprobleme und missverstandene Fakten abzielt. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine Einladung von Samsung an diverse Pressestellen, Journalisten und Blogger aus aller Welt bezüglich des Unternehmens auf der IFA in Berlin. Als global agierendes Unternehmen versteht sich Samsung auch diesbezüglich in der multinationalen Pressearbeit und sollte sich daher auch über die evtl. Reichweite falsch verstandener und falsch kommunizierter Öffentlichkeitsarbeit im Klaren sein.

 

In der Einladung wurde um zügige Antwort über das Erscheinen gebeten, außerdem um Auskunft über den Wunsch als Reporter oder als Förderer auftreten zu wollen. Abschließend wollte Samsung auch noch die Konfektionsgrößen der Redakteure wissen. Selbstverständlich hätte an diesem Punkt den Bloggern klar sein können, dass es hier um etwas mehr geht als um eine neutrale Berichterstattung über die IFA, Hersteller und allmöglichen Neuerscheinungen.

 

Der zetliche Pressedruck und die persönliche Vorfreude gleichermaßen als eine der Ersten von Samsungs Neuerscheinungen berichten zu können, ließ neben den beiden Bloggern auch weitere internationale Pressetätige in die Flugzeuge Richtung Berlin steigen. In Gedanken schlenderten wohl schon einige über die Flure und durch die noch ruhigen Hallen der Internationalen Funkausstellung. Auf der Einladung hatten die beiden Blogger aus Indien auch explizit das Kästchen der Reportertätigkeit angekreuzt.

 

Bei der Apple Konkurrenz angekommen verpuffte diese Vorstellung so schnell wie eine Seifenblase in der Luft. Die geladenen Presseleute sollten sich in von Samsung bereitgelegte Shirts kleiden und im Rahmen der pompösen Vorstellung, anderen Interessierten, geladenen Promis und Gästen von den Neuheiten wie dem Samsung Galaxy Note 2 und dem ersten Samsung Smartphone mit Windows 8 berichten. Von einer neutralen Berichterstattung oder freier Bewegung auf dem Messegelände war spätestens ab diesem Zeitpunkt keine Rede mehr. Zur Erinnerung: Egal ob im Internet, TV oder Radio wurde von der spektakulären Opening Preview Party berichtet.

 

Samsung beim „Hand on“ der IFA – Quelle, alle Rechte: AP

Für die unfreiwilligen Mitspieler dieser Inszenierung, welche sich über diesen Umgang nicht wirklich freuten und die Mitarbeit verweigerten, sollte es direkte Konsequenzen geben. Es wurde Ihnen die Stornierung der Heimtickets zu dem vereinbarten Zeitpunkt angedroht, stattdessen, die unverzügliche Heimreise angeboten.

 

Diese Gängelung ließen sich einige der Blogger nicht gefallen und verweigerten dieses unmoralische Angebot. Ein Retter in der Not – welcher selbst um mediale Wiedergutmachung bemüht scheint, war schnell gefunden. Großherzig übernahm das finnische Mobilfunkunternehmen Nokia die Kosten für die Rückflugtickets zum Ende der Presseveranstaltungen rund um die IFA.

 

Schlussendlich ist diese skurrile Geschichte eine Momentaufnahme aus der Welt hinter den öffentlichen Auftritten von Konzernen und Unternehmen wie in diesem Fall Samsung. Man versteht sich als Global Player, als ein Machthaber, der die Geschicke der Menschheit wie die Fäden einer Marionette steuert. Ein Blogger berichtet nun, wie er sich gefühlt hat, als er den Chefdesigner von Samsung in einer winzigen Kabine interviewen sollte und sich dabei vorkam wie bei einem inszenierten und hölzern wirkenden Monolog eines Moguls und Patriarchen ohne Englischkenntnisse. Auch wenn sich der Journalistenzunft wie in diesem Artikel beschrieben, ein gewisser, medialer Aufmerksamkeitszwang unterstellen lässt, sollten die Großmächte der Unterhaltungsindustrie bei all der inszenierten Markenpräsenz genau diese Wirkung nicht unterschätzen.

 

Samsung ist inzwischen um Wiedergutmachung bzw. um Relativierung der Vorkommnisse bemüht. Es hätte auf beiden Seiten Verständigungs- und Verständnisprobleme gegeben, räumt das Mobilfunkunternehmen ein. Das lässt sich sicher bestätigen, dennoch ist der Imageschaden von Samsung um einen porösen Baustein größer geworden, während sich Nokia dank der zwei Blogger über eine gewisse Schadensbegrenzung freuen kann. Nicht zuletzt war Nokia wegen Stellenabbau und schlechte Absatzzahlen in die Medien geraten.

 

Wir werden in Kürze sehen wie sich Apple auf der eigenen Keynote den Journalisten und der Presse vorstellen wird.

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Über Arno Kuss

Freiberuflicher Autor und seit Juli 2012 begeistertes Mitglied beim ApfelMagazine. Google+

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